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Child-Pugh-Score

Schweregradbeurteilung der Leberzirrhose

Interpretation

Der Child-Pugh-Score bewertet den Schweregrad der Leberzirrhose anhand von fünf klinischen und Laborparametern. Der Gesamtscore variiert von 5 bis 15 Punkten, wobei Patienten in drei Klassen (A, B und C) eingeteilt werden, mit jeweils unterschiedlichen prognostischen und therapeutischen Implikationen.

Score Klasse Schweregrad 1-Jahres-Überleben 2-Jahres-Überleben Operative Mortalität*
5–6 Klasse A Gut kompensierte Erkrankung 100% 85% ~10%
7–9 Klasse B Erhebliche funktionelle Einschränkung 81% 57% ~30%
10–15 Klasse C Dekompensierte Erkrankung 45% 35% ~80%

* Geschätzte operative Mortalität für elektive abdominale Chirurgie bei zirrhotischen Patienten.

† Überlebensdaten basierend auf Meta-Analyse (Cholongitas et al., 2005). Einige Quellen geben leicht abweichende Werte für Klasse B (80%/60%) an, was die Variabilität zwischen Kohorten widerspiegelt.

Klinischer Kontext: Der Child-Pugh-Score wird für präoperative Beurteilung, Risikostratifizierung und Prognose der Zirrhose eingesetzt. Klasse-C-Patienten sind prioritäre Kandidaten für Lebertransplantation. Der Score wurde ursprünglich von Child und Turcotte (1964) entwickelt und von Pugh et al. (1973) modifiziert, die den Ernährungszustand durch Prothrombinzeit (jetzt als INR ausgedrückt) ersetzten. In den USA und vielen internationalen Zentren hat MELD den Child-Pugh-Score für die Organallokation ersetzt, da er ausschließlich objektive Laborvariablen verwendet. In Deutschland erfolgt die Lebertransplantations-Allokation nach den Richtlinien der Bundesärztekammer über Eurotransplant anhand von MELD-Na; der Child-Pugh-Score bleibt jedoch für die chirurgische Risikobewertung und das klinische Staging der Zirrhose weit verbreitet.

⚠️ Wichtige Limitationen

  • Subjektive Komponenten: Die Graduierung von Aszites und Enzephalopathie hängt von der klinischen Untersuchung ab und unterliegt Interobserver-Variabilität — eine anerkannte Limitation des Scores in der Literatur.
  • Ausschließlich für chronische Lebererkrankung indiziert: Der Score wurde bei Patienten mit Zirrhose entwickelt und validiert. Er darf nicht bei akutem oder fulminantem Leberversagen angewendet werden, wo andere Scores besser geeignet sind (z. B. King's College Criteria).
  • Durch MELD für Transplantations-Allokation ersetzt: Aufgrund der subjektiven Parameter und nur 10 Scorewerte — was die Differenzierung zwischen Patienten begrenzt — wurde der Child-Pugh-Score durch MELD für die Organallokation bei Lebertransplantationen in vielen Ländern ersetzt.

⚠️ Hinweis: Dieser Rechner ist ein edukatives Unterstützungstool. Der Child-Pugh-Score ersetzt keine vollständige klinische Beurteilung durch das verantwortliche medizinische Team, insbesondere für Entscheidungen über Lebertransplantation und chirurgisches Management bei Patienten mit Zirrhose.

Referenzen

  • 1. Pugh RN, Murray-Lyon IM, Dawson JL, Pietroni MC, Williams R. "Transection of the oesophagus for bleeding oesophageal varices." Br J Surg. 1973;60(8):646–649. PubMed ↗
  • 2. Cholongitas E, Papatheodoridis GV, Vangeli M, Terreni N, Patch D, Burroughs AK. "Systematic review: The model for end-stage liver disease — should it replace Child–Pugh's classification for assessing prognosis in cirrhosis?" Aliment Pharmacol Ther. 2005;22(11–12):1079–1089. PubMed ↗
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