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CHA₂DS₂-VASc

Thromboembolische Risikobewertung bei Vorhofflimmern

Interpretation

Der CHA₂DS₂-VASc Score schätzt das jährliche Schlaganfallrisiko bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern. Die Indikation zur Antikoagulation wird nach Geschlecht stratifiziert: bei Männern wird sie ab einem Score von 1 erwogen; bei Frauen ab einem Score von 2 — da ein Score von 1, der ausschließlich auf dem weiblichen Geschlecht basiert, kein ausreichend unabhängiges Risiko darstellt, um eine Antikoagulation zu rechtfertigen.

Score Jährl. Schlaganfallrisiko* Empfehlung (Männer) Empfehlung (Frauen)
0 0% Keine Indikation für Antikoagulation
1 1,3% Antikoagulation erwägen† Keine Indikation (Score 1 nur durch Geschlecht)
2 2,2% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation erwägen†
3 3,2% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
4 4,0% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
5 6,7% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
6 9,8% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
7 9,6% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
8 6,7% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen
9 15,2% Antikoagulation empfohlen Antikoagulation empfohlen

* Adjustiertes Risiko basierend auf Lip et al., 2010 (Euro Heart Survey Kohorte). Absolute Werte variieren zwischen Kohorten und Populationen.

† Individualisierte Entscheidung basierend auf Blutungsrisiko (HAS-BLED) und Patientenpräferenz. ESC 2020 und ACC/AHA 2023 Leitlinien.

Klinischer Kontext: Die Antikoagulation sollte auf Basis der Risiko-Nutzen-Abwägung individualisiert werden, unter Berücksichtigung des Blutungsrisikos (bewertet mit dem HAS-BLED Score) und der Patientenpräferenz. Direkte orale Antikoagulantia (DOAK) werden gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern bevorzugt, sofern keine spezifische Kontraindikation besteht. Hinweis: Die ESC-Leitlinien 2024 führten den CHA₂DS₂-VA Score ein (ohne die weibliche Geschlechtskomponente), mit der Begründung, dass das weibliche Geschlecht kein ausreichend robuster unabhängiger Risikofaktor ist. Die ACC/AHA-Leitlinien verwenden weiterhin den traditionellen CHA₂DS₂-VASc. Beide Ansätze koexistieren in der aktuellen klinischen Praxis. In Deutschland folgt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) den ESC-Leitlinien zur Behandlung des Vorhofflimmerns.

Hinweis: Die Nutzung dieses Rechners ist kostenlos. Klinische Entscheidungen auf Basis der Ergebnisse sollten jedoch vom behandelnden Arzt abgewogen und getroffen werden. Fehlerhafte Entscheidungen können ernsthafte Gesundheitsrisiken mit sich bringen.

Referenzen

  • 1. Lip GY, Nieuwlaat R, Pisters R, Lane DA, Crijns HJ. Refining clinical risk stratification for predicting stroke and thromboembolism in atrial fibrillation using a novel risk factor-based approach: the Euro Heart Survey on Atrial Fibrillation. Chest. 2010;137(2):263–272. PubMed ↗
  • 2. Hindricks G, Potpara T, Dagres N, et al. 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation. Eur Heart J. 2021;42(5):373–498. PubMed ↗
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